
Römerberg, Fachwerksidylle mit Rathaus im Zentrum.

Goethehaus, Geburtsstätte von Deutschlands berühmtesten Dichter.
FRANKFURT SIGHTSEEING
Römer, Rothschild und Raritäten
Von Ina Reckziegel
Um sich auf Frankfurt einzustimmen, geht man am besten erst einmal in die gute „Stubb” dem Szene Treff seit mehr als 600 Jahren. Bei einem Tässchen Tee in einem der bezaubernden Fachwerkshäuser hat man reichlich Muße, die beeindruckende Treppengiebelfassade des historischen Rathauses zu betrachten und über die gelungene Symbiose zwischen Tradition und Moderne in dieser Stadt zu sinnieren.
Die gute „Stubb” , wie die Frankfurter den Römerberg nennen ist quasi der Ruhepol der Main Metropole. Denn während man außerhalb des Platzes aus jedem Blickwinkel mit einem stählernen Machtsymbol aus der Banken und Versicherungswelt konfrontiert wird, verströmt der Platz eine gewisse Behaglichkeit. Auf der einen Seite das markante Bauwerk des Rathauses aus rotem Sandstein, ursprünglich zwei repräsentative Bürgerhäuser, die der Rat 1405 kaufte und die seit dieser Zeit den Sitz der Stadtregierung darstellen. Gegenüber die nicht minder attraktive Häuserzeile aus lauter bunten Fachwerkshäusern, deren Ende das Haus der „Große Engel” bildet. Hier wurde im 15. Jahrhundert von niederländischen Händlern der Grundstein zur Börse gelegt.
Schon der Kaiser gewährte Messebesuchern sicheres GeleitDas Thema Geld zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Stadt. Bereits im Mittelalter galt Frankfurt als die Drehscheibe des Fernhandels und konnte mit dem Privileg werben, Kaiser Friedrich II gewähre den Messereisenden sicheres Geleit. 1612 schufen die cleveren Frankfurter einen weiteren Eckpfeiler für eine lukrative Einnahmequelle. Im zweiten Obergeschoss des Rathauses bauten sie den Kaisersaal, in dem bis 1806 die Krönungsbankette von zehn deutschen Kaisern zelebriert wurden. Das kurbelte nicht nur die Gastwirtschaft an, sondern spülte auch den einen oder anderen Gulden in die Schatulle der Bürgerhaushalte rund um den Römerberg. Wegen ihrer exponierten Lage zwischen dem gotischen Kaiserdom als Krönungsort der deutschen Kaiser zwischen dem 16. Und 18. Jahrhundert und dem Rathaus mit dem Kaisersaal gelegen, vermieteten sie ihre Fensterplätze gegen Bares.
Vom einfachen Bürger zum Gründer der weltgrößten PrivatbankNur einen Steinwurf weit entfernt vom Römerberg im Großen Hirschgraben, ist gut nachvollziehbar, wie die Frankfurter Bürger seinerzeit lebten. Hier steht Goethes Geburtshaus, hier erblickte Deutschlands berühmtester Dichter am 28. August 1749 das Licht der Welt. Über eine breite, barocke Treppe lässt sich bequem Stockwerk für Stockwerk erkunden. Von der großen Küche im Erdgeschoss mit damals einer von nur zwei Wasserleitungen in der gesamten Stadt ausgestattet, bis hoch in den 4. Stock mit der umfassenden Bibliothek und den Vitrinen mit dem kostbaren Höchster Porzellan. Goethe kannte keine Geldsorgen, wohl aber ein gewisser Mayer Amschel Rothschild, der vier Jahre vor Goethe in der Judengasse zur Welt kam. Das änderte sich erst, als der geschäftstüchtige Sohn durch Geschick und Verbindungen das Fundament zur größten Privatbank der Welt legte.