
Rafal Dutkiewicz, Präsident der Stadt Wroclaw (Polen)
Interview mit Rafal Dutkiewicz, Präsident der Stadt Wroclaw (Polen)
„Wroclaw ist eine tolerante Stadt. Ein Ort für Geschäftsleute mit Visionen”
Wroclaw (Breslau) zählt zu den attraktivsten Standorten in den neuen EU-Ländern. Europe Unique sprach mit Rafal Dutkiewicz, dem Präsidenten der Niederslesischen Hauptstadt Wrozlaw, über die Besonderheiten dieser Region, die Vorteile für ausländische Unternehmen und welche Pläne er für die Zukunft hat.
Herr Präsident, in Wroclaw und Umgebung haben sich in den letzten Jahren über 5000 ausländische Unternehmen angesiedelt. Was macht Ihre Stadt und Region so attraktiv?Tatsächlich erlebt Wroclaw einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Stadt zählt zu denen, die sich in Polen am schnellsten entwickeln. Die Hauptstadt Niederschlesiens gilt als ein Ort des Erfolgs; eine Stadt, in der es sich lohnt sein Unternehmen zu führen, zu investieren, eine Firma zu gründen.
Ich gebe zu, dass mich das sehr freut. Die Attraktivität der Stadt Wroclaw hat reale und feste Grundlagen. Unsere Vorteile liegen in der guten geographischen Lage, der gut ausgebauten Infrastruktur- und Kommunikationsnetzweken. Ebenso wichtig ist ein gut ausgebildeter Personalstab. Dafür sorgen die großen Forschungs- und Hochschulbildungseinrichtungen mit elf staatliche Hochschulen, zwölf privaten und über 134 000 Studenten.
All das führt dazu, dass Wroclaw einem raschem Wandel unterliegt und sich des Interesses weltweit bedeutender Konzerne erfreut. Unter anderem haben bei uns Google, LG Philips, Volvo, Siemens, Wabco, Fagor, Whirlpool, 3M, Toshiba, KPIT Cummings und Hewllet Packard investiert.
Können Sie drei Vorteile der Stadt Wroclaw nennen, über die andere europäische Städte möglicherweise nicht verfügen?Das mag zwar wenig bescheiden sein, doch ich denke, dass es weitaus mehr Vorteile gibt. Ich werde darüber sprechen, was diesen Ort so besonders macht, was dazu führt, dass wir uns hier wohl fühlen können. Wroclaw ist ein Begegnungsort für Kulturen und Nationen. Das rührt von seiner Geschichte her, spiegelt sich aber auch in der heutigen Wirklichkeit. Wroclaw ist eine tolerante Stadt, offen für Neues, interessanten Ideen; ein Ort für wirtschaftsbewusste, arbeitsame Menschen, die sich ihrer Ziele sicher sind, eine Zukunftsvision haben.
Inzwischen produzieren hier auch schon einige chinesische Unternehmen. Kamen die Chinesen auf Sie zu?Wir heißen jeden Investor herzlich in Wroclaw willkommen. Ich freue mich darüber, dass sich auch Unternehmer aus China für unsere Stadt interessieren.
Investitionen bilden das Schwungrad der Wirtschaft und garantieren ihr rasches Wachstum. Sie ziehen einander gegenseitig an, sichern neue Arbeitsplätze, sind für die gute und schnelle Entwicklung einer Stadt unentbehrlich.
Den chinesischen Investoren wünsche ich, dass sie mit ihrem Aufenthalt in Wroclaw zufrieden sind und gute Geschäfte abschließen.
Wird gezielt Werbung für den Standort Wroclaw im Ausland betrieben? Wenn ja, in welchen Ländern speziell?Wroclaw wirbt sowohl in Polen als auch außerhalb der Landesgrenzen aktiv für sich. Wir stellen die Stadt so vor, wie sie ist, stützen uns auf ihre tatsächlichen Stärken. Wir wollen zeigen, dass unsere Stadt ein guter Ort ist zum Leben, Lernen, Studieren, für die Aufnahme der ersten Arbeit, die Fortführung einer Kariere oder um Geschäfte tätigen.
Wir nutzen unterschiedliche Präsentationsformen, um für unsere Stadt zu werben, sowie auch konkrete Projekte, an denen wir beteiligt waren – z. B. EXPO, EIT. In vielen europäischen Ländern erschien Werbung in der Presse, dem Fernsehen und auf Plakaten.
Besteht ein zentrales Organ für ausländische Unternehmer oder Investoren, das ihnen bei formalen und organisatorischen Angelegenheiten behilflich ist und ihre Tätigkeiten koordiniert?Ich gehe davon aus, dass es sehr wichtig ist, eine entsprechende Atmosphäre für geschäftliche Tätigkeiten zu schaffen. Die Stadt hat dabei eine wichtige Rolle zu erfüllen.
Wir achten besonders darauf, ein sorgfältiges Investitionsangebot zu erstellen. Wir haben ein System von Steuervergünstigungen und bemühen uns, die notwendigen Prozeduren zu vereinfachen, da wir die Investoren möglichst zügig durch die notwendigen Formalitäten führen wollen. Bei der Umsetzung der Investitionen reagieren wir sehr flexibel auf jegliche Herausforderungen.
Die Entwicklung der Stadt Wroclaw nehme ich als einen weitreichenden Prozess wahr, der über die Stadtgrenzen hinaus reicht. Ich lege Wert auf die gleichmäßige Entwicklung der ganzen Agglomeration Wroclaw. So können wir den Investoren attraktivere und konkurrenzfähigere Angebote bieten. Eine größere Standortauswahl, geringere Kosten, Stadtnähe – das sind deutliche Vorteile.
Die eigens dafür eingesetzte Agentur für den Fortschritt der Agglomeration Wroclaw (www.araw.infowroclaw.pl) befasst sich damit, die Region zu bewerben und weiter zu entwickeln.
Welche langfristigen wirtschaftlichen Ziele fassen Sie für die Stadt Wrocaw ins Auge? Wie sollte sich die Stadt – Ihrer Ansicht nach – in fünf Jahren präsentieren?Wroclaw ist eine Stadt, die verantwortungsvoll an die Zulkunft denkt. Von besonderer Bedeutung wird es sein, die Konjunktur und das Entwicklungstempo der Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Wir wollen die städtische Infrastruktur stärken, die Verkehrs- und Transportnetze verbessern. 2012 wird Wroclaw einer der Veranstaltungsorte der Fußball Europameisterschaft sein. Ich bin überzeugt, dass diese Veranstaltung die erwarteten Vorteile mit sich bringen und das Interesse an Wroclaw verstärken wird.
Wroclaws Stärke, sein natürlicher Vorteil, sind und bleiben die jungen und begabten Menschen. Heutzutage, in einer sich so schnell entwickelnden Welt – einer Welt der neuen Technologien und fortschrittlichen Problemlösungen – spielt die Bildung eine große, um nicht zu sagen entscheidende Rolle.
Wroclaw wird neueste Technologien in der Wirtschaft anwenden, Kooperationsprojekte mit der Forschung und den Hochschulen im geschäftlichen Bereich unterstützen. Eine auf Wissen und Innovation basierende Wirtschaft bildet eine große Chance auf zivilisatorischen Fortschritt. In diesem Kontext stehen Wroclaws Bemühungen um das Europäische Technologieinstitut sowie den ersten Knotenpunkt für Wissen und Information.
Ich bin überzeugt, dass Wroclaw zu einem Ort werden kann, an dem Bildung, Forschung und eine innovative Wirtschaft sich entwickeln und ihre gemeinsamen Verbindungen nutzen werden.